Tagungsbericht: „Selbstorganisation im Realitätscheck“

Sind Ansätze der Selbstorganisation für die heutige Wirtschaft relevant oder utopische Spielerei?

Diese Frage beschäftigte mich schon länger. Die Tagung „Selbstorganisation im Realitätscheck“ des Netzwerks Selbstorganisation am 30.10.2025 bot Gelegenheit, sie zu beantworten. Ich wollte herausfinden, ob Selbstorganisation funktioniert oder nur ein Hype ist, der seinen Zenit überschritten hat.

Die Antwort war für mich überraschend eindeutig: Selbstorganisation lebt! Die ausverkaufte Tagung mit 130 Teilnehmenden und Einblick in 17 Unternehmen zeigte, dass dass selbstorganisiertes Arbeiten in vielen KMU im For- und Non-Profit-Bereich lebendig ist.

Meine Takeaways:

🦋 Selbstorganisation ermöglicht Entfaltung: Menschen übernehmen leichter neue Rollen, entwickeln sich weiter und übernehmen Verantwortung.
⛈️ Selbstorganisation ist auch in Krisen robust. Zentrale Person fällt plötzlich aus – kein Problem für die holakratische Struktur, weil man es sich gewohnt ist, für das System in Verantwortung zu gehen.
🎢 Natürlich geht es nicht ohne Hindernisse. Die Frage, «wie viele» man mitnehmen kann beschäftigt nach wie vor.
⛰️ Auch wenn Selbstorganisation einige Probleme lösen kann, schafft sie wieder neue, «bessere» Probleme. Man ist also letztlich nie fertig.
👩🏼‍🍳 «Rezepte» wie Holakratie und Soziokratie können dabei helfen, etwas radikal Neues in die Welt zu bringen. Wenn sie aber zu Ideologien werden, können sie auch schaden, weil dann der Blick nicht mehr frei genug ist.
🧩 Weniger zentrale Führung deckt immer wieder neue Führungsaufgaben auf, die selbstorganisiert gelöst werden müssen. Zum Beispiel bei der Kundenakquise: Nur der Umsatz zählt- oder müssen Projekte zu unseren Werten passen? Wer entscheidet das eigentlich?
💪🏻 Am Ende kommt man immer wieder auf zentrale Punkte: Mut. Vertrauen. Einfach machen.

💬 Zum Schluss haben wir eine spannende Debatte angerissen: Ist Selbstorganisation letztlich «Glaubenssache» – oder sollten wir den Impact unbedingt messbar machen, um damit besser zu überzeugen. Und um welchen Impact geht es uns eigentlich? Innovationsfähigkeit, bessere Arbeitsbedingungen, nachhaltigeres Wirtschaften? Punkte, die wir hoffentlich auf einer nächsten Tagung weiterverfolgen können…